Interessante Informationen zu „Charlie Hebdo“

Plakat hängt zur Zeit im Linkstreff von Peter Erlanson, Buntentorsteinweg 109, aus. Zeichnung: Georges Wolinski. (aus jw v. 11.01.15)

Hermann Dierkes hat einige Informationen zu der Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ – in Ergänzung zum Beitrag von Arn Strohmeyer – beigesteuert, die wir mit freundlicher Genehmigung veröffentlichen.

Verurteilung des schrecklichen Anschlag – ja. Verteidigung der Presse- und Meinungsfreiheit – ja. Aber keine inhaltliche unkritische „Solidarität“ mit Charlie Hebdo. Das war mal vor Jahrzehnten eine wirklich gute politische Satirezeitschrift. Seit Jahren haben sie ihren Schwerpunkt auf eine üble pauschale Hetze gegen Muslime gelegt (wenngleich sie auch andere Religionen kritisieren und auch Fortschrittliches bringen), um ihre Auflage angesichts des grassierenden antimuslimischen Rassismus in Frankreich zu steigern. Ich kann darin nichts Unterstützenswertes und „Lustiges“ mehr erkennen. Vor einigen Jahren wurde der berühmte Karikaturist Sine von CH geschaßt wegen seiner israelkritischen Haltung.

Diese wurde ihm als „Antisemitismus“ ausgelegt. Viele seiner Kollegen haben sich seinerzeit solidarisiert und haben sich einem alternativen Projekt (Sine Hebdo) zugewandt. Michael Warschawski erinnert in einem Kommentar auf der AIC-website daran. Er hatte sich solidarisiert (und kennt sich als früherer Franzose, der als Jugendlicher nach Israel „ausgewandert“ wurde, immer noch sehr gut mit den dortigen Verhältnissen aus). Der damalige Chefredakteur von CH wurde kurze Zeit später unter Sarkozy zum Intendanten eines öffentlichen Senders berufen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Ich habe Erhard Ahrendt einige Artikel zugeleitet, die mir dankenswerterweise Shir Hever (sein Buch über die wirtschaftliche Funktion der israelischen Besatzung wurde letzten Herbst endlich bei ISP auf Deutsch veröffentlicht) zugeschickt hatte. Sie sind inzwischen auf dem PalPortal veröffentlicht, darunter eine sehr interessante Analyse des US-amerikanischen Journalisten Glenn Greenwald, in der auch satirische Karikaturen und hetzerische „Karikaturen“ kontrastiert werden, die seinerzeit von Streichers Stürmer mit Kußhand gedruckt worden wären. Etlches von dem, was ich bei CH gesehen habe, erinnert verdammt an diese Nazi-Karikaturen, die wir in der Tat nicht als Satire gelten lassen können. Sie sind üble Hetze eine Volksgruppe bzw. pauschalisierend gegen den Islam. Schließlich dürfen wir bei aller berechtigten Kritik nie vergessen, dass es sich bei den Religionen nicht nur um das Opium des Volkes handelt, sondern dass diese auch die Funktion des Aufschreis der erniedrigten Kreatur sind (Marx). In Deinem Kommentar wirft Du genau solche Fragen auf und beantwortest sie auch, warum die Verbitterung in der muslimischen Welt gegen „den Westen“ so stark ist, und zum Teil mangels (oder wegen zerstörter) säkularer Perspektiven in religiösen Funadamentalismus degeneriert. Greenwald zitiert dann aktuelle Pressekommentare aus renommierten US-Zeitungen, wo dafür geworben wird „diese Blasphemie zu verschärfen“… Da wird einem nur noch kotzübel.
Beste Grüße
Herman Dierkes

weitere Informationen auf der Seite von AIC: http://www.alternativenews.org/english/index.php/other-opinions/366-france-you-ve-got-it-all-wrong?highlight=WyJkcmVhbm8iXQ==

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