„Yasher Koach Presbyterians!“

14-06-22 presbytarians

Bild aus „Jewish Voice for Peace“

Am 20. Juni 2014 stimmte die General Assembly der Presbyterianischen Kirche in den USA mit einer hauchdünnen Mehrheit (310 gegen 303) für einen Divestment-Beschluss. Das bedeutet, dass die Glaubensgemeinschaft ihre Kapitalbeteiligungen von Unternehmen, die von der israelischen Besatzung profitieren, abziehen und sich auf „positive investments“ konzentrieren werde.

Die „Jewish Voice for Peace“ begrüßte diesen Beschluss sofort und enthusiastisch. Rabbinerin Alissa Wise, Co-Director for Organizing, verschickte sofort nach der Entscheidung der Presbyterianer das folgende Rundschreiben, u.a. auch an unser Nahost-Forums-Bremen-Mitglied Antonie Brinkmann:

„Liebe Antonie,
ich bin hocherfreut, zu berichten, dass gerade vor einigen Minuten die Presbyterianische Kirche (USA) dafür gestimmt hat, Beteiligungen im Wert von 21 Millionen Dollar von Hewlett-Packard, Motorola Solutions und Caterpillar abzuziehen – drei Unternehmen, deren Gewinne durch die andauernde israelische Besatzung ausgiebig dokumentiert sind. Dies ist eine unglaublich fantastische – und mutige – Entscheidung, verankert in dem tiefen Gespür der Presbyterianer für Gerechtigkeit und in ihrem Einsatz für Menschenrechte. Und, nachdem ich in der letzten Woche mit unserem riesigen Team von interreligiösen Partnern hier gewesen bin, kann ich garantieren, daß die Gegenreaktion heftig sein wird. Die Presbyterianer sollten besonders dafür gelobt werden, einen einzigartigen Weg geschaffen zu haben, Divestment mit positiver Investitution und  dem Einsatz für Versöhnung zu verbinden. Es ist ein überzeugendes Modell dafür, wie jede Gemeinschaft die grundlegende und wichtige Aufgabe aufgreifen kann, nach innen zu blicken, um ihre Werte und Aktionen zu verbinden.

Diese Entscheidung wird reale Folgen haben, weil sie den Palästinensern eine Botschaft schickt, daß ihre Menschenrechte wichtig sind. Und sie setzt die Unternehmen und die israelische Regierung davon in Kenntnis, daß die Besatzung sowohl moralisch als auch ökonomisch unvertretbar ist. Diese Abstimmung zeigt auch, dass Versuche von verschiedenen jüdischen Institutionen, solche Aktionen mit dem Vorwurf des Antisemitismus zu verhindern, an Macht verlieren. Jetzt keinen Fehler machen – die Opposition tat alles, was sie konnte, um diese Resolution zu stoppen.

Ihr solltet sehr stolz darauf sein, was JVP zu dieser Leistung beigetragen hat. Unsere Rabbis, jungen Mitglieder und Leiter arbeiteten bis zum Umfallen  – hier in Detroit und überall im Lande. Ich war überrascht, was unsere Gemeinschaft schaffen kann und über die Bedachtsamkeit, mit der wir Veränderungen bewirken.

Wir können nur hoffen, daß unsere Bewegung für Gerechtigkeit stärker wird, und daß all jene, die echten Frieden und Gerechtigkeit für Palästinenser und Israelis erstreben, sich uns und unseren geschätzten Verbündeten wie der Presbyterianischen Kirche (USA) anschließen werden, um  konkrete Schritte zu unternehmen, die Politik zu verändern. Bitte, nehmt Euch jetzt einen Moment Zeit, um Euch zu bedanken – unsere mutigen Partner haben das wirklich verdient.
Yasher Koach Presbyterians!
Rabbi Alissa Wise, Co-Director of Organizing“

(„Yasher Koach“ heißt auf hebräisch so viel wie „von Kraft zu Kraft“; es bedeutet so etwas wie „Gratuliere!“ oder „gut gemacht!“)

„The Jewish Voice for Peace“ fordert alle auf, das Glückwunschschreiben an die Presbyterian Church zu unterschreiben.

Der Divestment-Beschluss der Presbyterianischen Kirche hat in den USA sofort großes Aufsehen erregt. Hier hatte eine Glaubensgemeinschaft mit 1,9 Millionen Mitgliedern beschlossen, dass sie ihre Aktienpakete von drei sehr bekannten Unternehmen verkaufen wird.

Schon gibt es die ersten Reaktionen, wie Ha’aretz v. 21. Juni 2014 berichtete: Das „American Jewish Committee“, eine einflussreiche Organisation von Politikern und Rechtsanwälten in New York, meinte, dass die Abstimmung „von Hass gegen Israel geprägt“ sei. Der Präsident der „Union for Reform Judaism“, Rabbi Rick Jacobs, forderte den Vertreter der Presbyterianer auf, sich mit ihm und dem israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu zu einem Gespräch zu treffen. Rick Jacobs: „Der Beschluss zum Divestment wird einen  tiefen Graben zwischen Presbytorianern und Juden aufreißen.“ Erwartet wird, dass die Entscheidung auch außerhalb der Presbytorianischen Glaubensgemeinschaft ein großes Echo finden wird. Die Entscheidung käme, so der Kommentar von Ha’aretz, in einer Zeit, in der die Enttäuschung über die gescheiterten Friedensgespräche groß und linke Aktivisten weitgehend ratlos seien über die mögliche weitere Entwicklung. Das breite Bündnis für eine BDS-Kampagne würde deutlich an Zustimmung in den USA gewinnen.
Toni Brinkmann und Sönke Hundt

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