Zeitenwende?

Solidarität mit Palästina wächst in den USA und unter Künstlern

New York City: Die 28-jährige Alexandria Ocasio-Cortez gewinnt Ende Juni im Wahlbezirk Bronx-Queens überraschend die Vorwahlen in der Demokratischen Partei gegen einen ranghohen Vertreter des Parteiapparats. Während der Wahlkampagne schrieb sie auf Twitter über den Einsatz von Schusswaffen durch die israelische Armee bei den Demonstrationen der Gazaner für die Öffnung des Grenzzauns (unsere Übersetzung): „Das ist ein Massaker. Ich hoffe, meine Kollegen haben den Mut, es so zu nennen. (Foto: Alexandria Ocasio-Cortez photographed by Jesse Korman, October 20, 2017. creative commons)Man kann kein Staatswesen freisprechen, wenn es Protestierende massenhaft erschießt. Es gibt dafür keine Rechtfertigung. Palästinensische Menschen haben das Grundrecht auf Menschenwürde, wie alle anderen. Die Demokraten können dazu nicht mehr schweigen.“
 
Deutschlands Linke und Kunstszene hingegen hält Menschenrechtsengagement für Antisemitismus

Hat man aktuell in Deutschland von irgend welchen aktiven Politikerinnen oder Politikern Ähnliches vernommen, gar von Linken? Nein, denn sie fürchten ein Ende ihrer Karriere, weil man sie höchstwahrscheinlich „Antisemiten“ nennen wird. Aber in New York, der Stadt mit der größten jüdischen Bevölkerung auf der Welt, kann man, wenn man Courage hat, mit menschenrechtlichen Argumenten für die Sache der Palästinenser Wahlen gewinnen.Ruhrgebiet und Großbritannien: Die Intendantin des diesjährigen Kulturfestivals Ruhrtriennale hatte das Edinburgher Hip-Hop-Trio Young Fathers erst ein-, dann aus- und dann wieder eingeladen.Ausgeladen wurden sie wegen ihrer Nähe zu BDS [Boykott, Desinvestment und Sanktionen gegen Israel]: Sie hatten 2017 ihren Auftritt beim Berliner Pop-Kultur-Festival abgesagt, weil die israelische Botschaft die Reisekosten israelischer Künstler mitfinanziert hatte. Wieder eingeladen wurden sie dann sowohl deswegen, weil sich die Intendantin überzeugt hatte, dass die Young FathersAntisemitismus ablehnen, als auch, weil einige andere Künstler als Reaktion auf die Ausladung ihrerseits ihre Teilnahme in Frage stellten. Die Wiedereinladung nahmen die Young Fathersaber nach diesem Affront nicht mehr an.

Als Reaktion auf die deutschen Befindlichkeiten veröffentlichten 80 Prominente ein Schreiben im britischen Guardian. Darin heißt es:

„Wir sind von Versuchen in Deutschland irritiert, Künstlern, die palästinensische Menschenrechte unterstützen, Bedingungen zu stellen. Wir sind froh, dass der internationale Aufschrei das Ruhrtriennale-Kunstfestival überzeugt hat, seine repressive Entscheidung zurückzunehmen (…). Zwar haben wir unterschiedliche Ansichten zu BDS, aber wir sind uns darin einig, dass dies ein legitimer Gebrauch der freien Meinungsäußerung ist. (…) Das ist die Ansicht der EU, Hunderter US-Rabbiner, des Dachverbands der Menschenrechtsorganisationen FIDH, der American Civil Liberties Union und Hunderter europäischer NGOs.“

Die Liste der Menschen, die diesen Aufruf unterzeichnet haben, ist so beeindruckend, dass wir sie hier komplett anführen wollen — nicht zuletzt in der Hoffnung, deutsche PolitikerInnen, KünsterInnen und andere Verantwortliche zu ermutigen und ihnen zu zeigen: Ein JA zu Menschenrechten ist nicht gleich Antisemitismus, wenn es um palästinensische Menschenrechte — und somit unweigerlich um Kritik an israelischer Besatzungspolitik geht. Warum dies nicht nur wichtig, sondern äußerst drängend ist und daher höchste Priorität haben sollte, erfahren Sie in diesem aktuellen Bericht der Palaestina-Nachrichten.

Mai Abu ElDahab Director, Mophradat 
Tunde Adebimpe Musician
Antonia Alampi Artistic co-director, Savvy Contemporary
Nir Alon Artist
Julia Aranda Artist
Mohammed Bakri Actor
Saleh Bakri Actor
Jeff Barrett Founder, Heavenly Recordings
Yves Berger Artist
Judith Butler Philosopher
David Calder Actor
Noam Chomsky Linguist, philosopher
Julie Christie Actor
Caryl Churchill Playwright
Jarvis Cocker Musician
Molly Crabapple Artist, writer
Liam Cunningham Actor
Angela Davis Political activist, academic
Lawrence Dreyfus Director, Phantasm viol consort
Tania El Khoury Artist
Brian Eno Composer, producer
Reem Fadda Curator
David Farr Writer, director
Chiara Figone Archive Books/Kabinett/Journal
Marina Fokidis Curator, writer
Rebecca Foon Musician
Peter Gabriel Musician, founder, Womad festival
Dani Gal Artist
Danny Glover Actor
Carl Gosling Heavenly Recordings
Ian Ilavsky Co-founder, Constellation Records
Iman Issa Artist
Ghada Karmi Writer, academic
Aki Kaurismaki Film director
AL Kennedy Writer
Naomi Klein Writer
Judith Knight Co-director, Artsadmin
Hari Kunzru Writer
Paul Laverty Screenwriter
Mike Leigh Writer, director
Mason Leaver-Yap Associate curator, KW Institute for Contemporary Art
Ken Loach Film director
Jens Maier-Rothe Curator
Jumana Manna Artist
Miriam Margolyes Actor
Yann Martel Author
Massive Attack Band
Thurston Moore Musician
David Morrissey Actor
Nicholas Mirzoeff Cultural theorist
Danny Mitchell Heavenly Recordings
Leil Zahra Mortada Film-maker
Viggo Mortensen Actor, writer, artist
Karma Nabulsi Professor of politics
Mira Nair Film director
Bonaventure Ndikung Founder, Savvy Contemporary
Paul Northup Director, Greenbelt Festival
Rebecca O’Brien Film producer
Ilan Pappe Historian
Jocelyn Pook Composer
Cat Power Musician
Jeremie Pujau Artist
Fanny-Michaela Reisin President, International League for Human Rights
Michael Rosen Children’s poet, broadcaster
Eran Schaerf Artist
James Schamus Screenwriter, producer, director
Eyal Sivan Documentary film-maker
Harry Leslie Smith Writer
John Smith Artist, film-maker
Patti Smith Musician
Jesse Smith Musician, activist
Desmond Tutu Archbishop Emeritus of Cape Town, South Africa
Alice Walker Writer
Roger Waters Musician
Eyal Weizman Architect
Vivienne Westwood Designer
Don Wilkie Co-founder, Constellation Records
Tim Wilson Founder, Vault festival
Tim Wise Writer

Quelle (mit freundlicher Genehmigung): BIB Aktuell #24: Zeitenwende?!