Avi Primor: „Antisemitismus in Deutschland nimmt nicht zu.“

Der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, sieht keinen wachsenden Antisemitismus in Deutschland. Die Judenfeindlichkeit werde zwar oft von Zuwanderern aus dem Nahen Osten geschürt. Die meisten Deutschen seien aber keine Antisemiten, sagte Primor am Samstag im RBB-Inforadio. Das liege daran, dass sie nach Krieg und Holocaust mit anderen Werten und humanistischen Ideen aufgewachsen seien. Das ganze interessante Interview (41 Min.) hier.

Das Statement von Avi Primor kommt überraschend, wird doch in den Mainstream-Medien unisono gerade umgekehrt vor einem wachsenden Antisemitismus in Deutschland gewarnt. Erst im Oktober 2019 hatte der Jüdische Weltkongress alarmierende Zahlen veröffentlicht. Er hatte in einer repräsentativen Umfrage ermittelt, dass 41 Prozent aller Deutschen antisemitischen Äußerungen zugestimmt hätten. Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder, hatte die Studie mit drastischen Worten kommentiert. Antisemitismus habe in Deutschland einen Krisenpunkt erreicht. „Wir haben gesehen, was passiert, wenn einfache Leute weggeschaut oder geschwiegen haben“, sagte er. „Es ist an der Zeit, dass die gesamte deutsche Gesellschaft Position bezieht und Antisemitismus frontal bekämpft.“ Deutschland habe eine einmalige Verpflichtung, die Rückkehr von Intoleranz und Hass zu verhindern. Wenn sich mehr als ein Viertel der Gesellschaft mit Antisemitismus identifizierte, dann sei es Zeit für die restlichen drei Viertel, Demokratie und tolerante Gesellschaften zu verteidigen.