Ilan Pappe zu Gast beim Luxemburger Palästina-Komitee

Ausriss aus Taqeblatt Letzebuerg (Luxemburg) v. 25.01.2017

Ilan Pappe war beim Luxemburger Palästina-Kommittee zu Gast. Dies nahm die 2. Tageszeitung des Landes, das „Tageblatt Letzeboerg“, zum Anlass, ein umfangreiches Interview mit ihm zu führen. Ilan Pappe ist wieder einmal sehr klar in seinen Positionen. Die Veröffentlichung des Interviews durch das Tageblatt ist ebenso bemerkens- wie – für hiesige Medien – nachahmenswert.

Das Gespräch begann mit einem Rückblick auf den Staatsbesuch des Luxemburgischen Premier Xavier Bettel im vergangenen September in Israel, wobei es hauptsächlich um Kooperationen im akademischen Bereich ging. Ramalla sei der Form wegen und erst nach massivem diplomatischen Druck in das offizielle Programm aufgenommen worden. Die Kooperation sei als unpolitisch dargestellt worden.

Ilan Pappe kritisierte das scharf: „Sie können Israels akademische Welt nicht von der Politik trennen. Sie trägt Mitschuld an dem, was passiert. Sie bringt jene Richter hervor, die Menschen ohne Prozess ins Gefängnis steckt. Sie bildet die Geheimdienste aus, die Palästinenser foltern. Sie liefert die Expertise in Sachen Orientalismus und Technologie, um die Palästinenser zu ‚verwalten‘. Und selbst wenn Forscher angesichts der Gräueltaten nur schweigen, müssen sie dafür kritisiert werden. Wir haben es auch nicht gemocht, dass die Wissenschaft während der Nazi-Zeit oder in Chile unter Pinochet schwieg.“

Der Interviewer fragte natürlich auch nach den Realisierungschancen für eine Zwei-Staaten-Lösung. Ilan Pappes Antwort: „“Es gibt zwei Szenarien: Entweder wird Israel ein Apartheidstaat oder ein demokratischer Staat. Das ist eine wesentlich wichtigere Diskussion als jene über die Zwei-Staaten-Lösung.“

Gefragt nach den Absichten Trumps, die amerikanische Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen, antwortete Pappe: „Trump hat zwei mögliche Konsequenzen für uns. Die eine ist sehr gefährlich. Die Botschaft in Jerusalem und eine Carte blanche für die Siedlungen wären aus kurzfristiger Perspektive ein Desaster. Es würde zur nächsten Intifada führen. Wer weiß, was die Israelis den Palästinensern in dem Fall antäten. Sie würden einen unvorstellbar hohen Preis bezahlen. […] Seine isolationistischen Ideen könnten dazu führen, die USA aus dem Nahen Osten herauszuführen. Die Menschen verstehen das nicht. Das wären gute Nachrichten. Das Engagement der USA im Nahen Osten war schrecklich. Besonders in den letzten 25 Jahren. Je weniger die USA involviert sind, desto besser. In dieser Hinsicht wird Trump Menschen wie John Kerry helfen, die Realität ein wenig mehr zu sehen, wie sie sie eigentlich sehen sollten. Aber es geht nicht um die Grenzen zwischen beiden Staaten, sondern um die Beziehung zwischen dem Siedlerstaat und der einheimischen Bevölkerung. Die Frage ist, wie man eine neue Beziehung zwischen beiden bauen kann.“
Sönke Hundt

Das ganze Interview hier: http://www.tageblatt.lu/nachrichten/story/15984143 am 25.01.2017

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