Ostermarsch 2021 in Bremen

Ostern 1958 marschierten englische Atomwaffengegner zum ersten Mal von London zum 80 km entfernten Forschungszentrum in Aldermaston. Seit 1960 ist der Ostermarsch Tradition in der Bundesrepublik. In diesem Jahr nun schon zum zweiten Mal unter Corona-Pandemie-Bedingungen. Es beteiligten sich in diesem Jahr in Bremen 3 – 400 Menschen an der Demonstration und an der Kundgebung auf dem Marktplatz, wo noch für eine virtuelle Überraschung gesorgt ist. Mit kleinen Redebeiträgen beteiligten sich Eva Böller und Barbara Heller vom Bremer Friedensforum, Hans-Ludwig Schröder von der Friedensinitiative Achim, Christian Gerlin von der Linksjugend solid, Doris Achelwilm, Bundestagsabgeordnete der Linkspartei und Joachim Schuster, SPD, Mitglied im Europaparlament. Von Zeit zu Zeit meldete sich – durchaus friedlich – auch die Polizei mit Ermahnungen zu Wort. Der Hauptredner auf dem Marktplatz war Michael Müller, Bundesvorsitzender der Naturfreunde Deutschland.

Karin Wetterau: Neuer Antisemitismus? Interview, Vortrag, Diskussion

Karin Wetterau hat ein aufregendes Buch über ein brisantes Thema geschrieben: Gibt es einen neuen israelbezogenen Antisemitismus? Wo verläuft die rote Linie zwischen legitimer Kritik an israelischer Politik und Antisemitismus? Wer entscheidet über den Ausschluss aus dem öffentlichen Diskurs und dem deutschen Kultur- und Wissenschaftsbetrieb? Der langjährige Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, Wolfgang Benz, führt in seinem Vorwort in grundlegende Aspekte des Themas ein.

Aus der Zoom-Veranstaltung mit der Autorin am 23. März 2021 sind zwei Videos entstanden und bei Weltnetz.tv freigeschaltet.

  1. Neuer Antisemitismus? Karin Wetterau im Interview mit Detlef Griesche (38 min)
    https://youtu.be/X2ubuM19UNw
  2. Karin Wetterau: Neuer Antisemitismus? Vortrag und Diskussion (1h 10min)
    https://youtu.be/FcmsECIPXGc

Die youtube-Videos können gern weiter verbreitet werden.

Jerusalemer Erklärung zum Antisemitismus

Der Streit um eine „sinnvolle“ Definition des Antisemitismus beschäftigt nunmehr seit Jahren Politik und Wissenschaft. Die berühmt-berüchtigte IHRA-Definition und die „3-D“-Definition – beide offenbar unzureichend – wurden und werden politisch ja sehr instrumentalisiert, gerade auch im Zusammenhang mit der BDS-Debatte. Und sie dienen nur allzuoft der Diffamierung von besatzungskritischen Meinungsäußerungen. Ein Politikum ist die neue Antisemitismus-Definition vor allem deswegen, weil sie von den renommiertesten Holocaustforschern aus Israel, den USA und Europa verfasst wurde, nach einem Abstimmungsprozess von mehr als einem Jahr, unterzeichnet wurde sie von 200 internationalen Wissenschaftlern aus dem Bereich der Antisemitismusforschung, Judaistik und Nahoststudien. „Wir haben uns zusammengefunden aus Sorge um den aktuellen Zustand der Antisemitismusdebatte“, erklärte Alon Confino, Direktor des Holocaust-Instituts der Amherst-University von Massachusetts bei der gestrigen Vorstellung des Papiers. „Diese Debatte ist voller Streit, Konfusion und Zorn. Und wer, wenn nicht wir, mit unserer Expertise, sind dazu aufgerufen, für Klarheit und Präzision zu sorgen.“ Weiterlesen

Die bewaffneten Kolonisten

Stereotypes Bild eines Siedlers mit Kippa, Tzizit und einem Gewehr. Quelle: Daniel Maleck Lewy, 2005, Wikipedia.

Israelische Kolonisten im besetzten Westjordanland tragen Schusswaffen, warum?

Zusammenfassung: Kolonisten im besetzten Westjordanland tragen Waffen, um ihre Macht und Kontrolle über das Gebiet zu zeigen. Palästinenser*innen ist es nicht erlaubt, Schusswaffen zu tragen. Anstatt zum Schutz vor palästinensischen Aufständen werden die Waffen dazu benutzt, Palästinenser*innen einzuschüchtern und ihr Eigentum zu beschädigen oder zu zerstören. Das israelische Ministerium für öffentliche Sicherheit weigert sich, Daten über die Anzahl der Waffen der Kolonisten herauszugeben.

Das ikonische und stereotype Bild eines israelischen Kolonisten im Westjordanland ist ein Mann mit Bart, einer Kippa, die Quasten einer Tzizit ragen unter dem Hemd hervor, und ein Sturmgewehr hängt über der Schulter. Die meisten israelischen Siedler im Westjordanland entsprechen nicht dieser Vorstellung, aber das Bild ist in internationalen Zeitungen und Fernsehsendern ebenso beliebt wie bei Karikaturisten. Das Gewehr ist das, was die Aufmerksamkeit fesselt, wobei die Spannung zwischen dem Stereotyp eines religiösen Juden als sanftmütiges Opfer von Gewalt und dem Bild des bewaffneten Kolonisten das Bild noch einprägsamer macht. Weiterlesen

Deutsch-Palästinensische Gesellschaft – Rundbrief II März 2021

In diesem Jahr werden in Israel und in Palästina Wahlen durchgeführt: In Israel zum 4. Mal innerhalb von zwei Jahren und in Palästina nach knapp 16 Jahren. Anbei (als Anlage) eine Einschätzung von Tom Segev zur israelischen Wahl und ein Beitrag von Norman Paech zur Untersuchung von Kriegsverbrechen durch den Internationale Strafgerichtshof. Auf die Wahlen in Palästina werden wir eingehen, soweit die Ergebnisse der Gespräche zwischen FATAH, HAMAS und den übrigen Bewegungen und Parteien beendet sind.
Der vollständige Rundbrief hier

Der deutsch-israelische Waffenhandel

IAI Heron TP static display at ILA 2018

von Bündnis für Gerechtigkeit zwischen Israelis und Palästinensern BIP e.V.
Eine Datenbank zu israelischen Waffenexporten zeigt, wie deutsche Unternehmen von der Besatzung profitieren

Zusammenfassung: Die neu eingeführte DIMSE-Datenbank gibt einen Überblick über die israelischen Rüstungsexporte nach Deutschland. Wenn man diese Informationen mit dem kombiniert, was bereits über die U-Boot- und Korvettenverkäufe der deutschen Firma ThyssenKrupp an Israel veröffentlicht wurde, wird ersichtlich, dass die deutsche Regierung zur Korruption innerhalb der israelischen Regierung beigetragen hat. Milliarden von Euro wurden für den Kauf von unnötigen und gefährlichen Waffen und für die Bereicherung von Waffenhändlern in Israel und in Deutschland verschwendet. Weiterlesen

Trauer um Reiner Bernstein

Reiner Bernstein ist nach langem Leiden erlöst worden. In dieser schweren Zeit fühlen wir mit seiner Frau Judith und wünschen ihr viel Kraft. Reiner ist ein schmerzlicher Verlust für die ganze Solidaritätsbewegung. Er war ein unbeugsamer und intelligenter faktenbasierter Streiter, der bis zuletzt engagiert blieb und noch sein wichtiges Buch zu Ende schreiben konnte. Wir werden ihn im Gedächtnis behalten.
Detlef Griesche
für die DPG-Bremen e.V. und den AK Nahost Bremen

Norman Paech: Das Elend der deutschen Nahostpolitik

Frieden zwischen Israel und den arabischen Staaten – Frieden mit den Palästinensern?

Ausgangspunkt des Vortrages ist der vor kurzem abgeschlossene Vertrag Israels mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und eine damit verbundene Abkehr des 2002 von den Arabischen Staaten vorgeschlagenem Friedens-Vorschlag für Palästina/ Israel. Welche Handlungsmöglichkeiten verbleiben den Palästinensern? Welche Rolle könnte bzw. sollte die deutsche und die EU-Außenpolitik spielen. In diesem Zusammenhang wird auch die sich zuspitzende Alternative in der Diskussion um die Zukunft in Palästina/Israel eine Rolle spielen: ist die lange angestrebte Zweistaatlichkeit nur noch eine rhetorische Formel? Welche Perspektiven ergeben sich aus den Vorschlägen für eine Ein-Staat-Lösung? Weiterlesen

European Council on Foreign Relations: „Israels Weg zu permanenter Kontrolle und Ungleichheit“

Der European Council on Foreign Relations, dessen Artikel „Das Ende von Oslo: Eine neue europäische Strategie zu Israel/Palästina“ Norman Paech in bip-jetzt zusammengefasst hat, hat einige interessante Aussagen über die zukünftige Position der EU zu Israel/Palästina gemacht, die ich in Auzügen wiedergebe. Der Text ist sehr lang. Hier sind einige Ausschnitte.
Claus Walischewski Weiterlesen

„Palästina in israelischen Schulbüchern“ – Eine Rezension

„Palästina in israelischen Schulbüchern“ – Eine Rezension. Studie von Nurit Peled-Elhanan: Ideologie und Propaganda in israelischen Schulbüchern

Hintergrund: Schulbücher sind für den Staat wirksame Instru­mente, um nationale und persönliche Identitäten zu formen. Diese Erkenntnis steckt hinter der Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion, ob „antisemitische palästinensische Schulbücher“ durch nationale und europäische Haushaltsmittel mitfinanziert werden. Israelische Schulbücher scheinen der FDP außerhalb jeder Kritik zu stehen. Glücklicherweise ist nun endlich die Untersuchung der israelischen Literaturwissenschaftlerin Prof. Nurit Peled-Elhanan in deutscher Übersetzung erschienen: „Palästina in israelischen Schulbüchern“ (2020). Weiterlesen