„Wächst zusammen, was zusammengehört?“ – Beatrix von Storch (AfD) bei Arutz Sheva 7 (Israel)

Ausriss aus Arutz Sheva v. 01.02.2019. Das Bild zeigt Rabbi Dr. Chaim Rozwaski mit Beatrix von Storch und Alexander Gauland (AfD)

Der israelische Sender Arutz Sheva 7, der der Siedlerbewegung nahesteht, veröffentlichte am 31. Januar 2019 einen Gastbeitrag von Beatrix von Storch, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion. Sie empörte sich sich bitter über die Absicht des deutschen Verfassungsschutzes, dass die AfD wegen verfassungsfeindlicher Tendenzen unter Beobachtung gestellt werden solle. Der Artikel hatte die Schlagzeile: „Die deutsche Regierung verfolgt Freunde Israels, keine Antisemiten“. Von Storch: „Der deutsche Geheimdienst wird instrumentalisiert, um die einzige Partei, die aktiv gegen radikalen Islamismus und Antisemitismus kämpft, zu kriminalisieren.“ Und das wäre mehr als absurd. Schließlich sei sie während ihrer Zeit im Europaparlament Grüdungsmitglied der Parlamentariervereinigung „Friends of Judea and Samaria“, die sich die Bekämpfung der BDS-Bewegung und der sie unterstützenden NGOs auf die Fahnen geschrieben hätte.

In den deutschen Mainstream-Medien wird die Kungelei zwischen der Rechten in Europa und in der Rechten in Israel im Allgemeinen schamhaft verschwiegen. Um so verdienstvoller der Berliner Tagesspiegel in einem sehr lesenswerten Artikel am 1. Februar 2019. Die Zeitung macht darauf aufmerksam, dass just am gleichen Tag, an dem der Historiker Saul Friedländer im Bundestag die Gedenkrede für den Holocaust hielt, Frau von Storch in Israel verkünden durfte, dass die AfD die einzige Partei sei, die sich für die „Rechte und die Sicherheit von Juden in Deutschland und für unsere Freunde in Israel“ einsetze. „Das muss man zweimal lesen“, so der Tagesspiegel. „Die AfD und die israelische Siedler-Bewegung, vereint im Kampf gegen das Böse? Gegen Islamismus und Antisemitismus, für ein Groß-Israel? Wächst da zusammen, was zusammengehört.“

Das „Zusammenwachsen“ beschreibt der amerikanische Historiker und Publizist Daniel Pipes genauer. In der auflagenstärksten israelischen Tageszeitung „Israel Hayom“  empfiehlt er unter der Überschrift „Europe’s Jews vs. Israel“ dringend, die Verbindungen zu den europäischen rechtsnationalistischen Parteien und Regierungen in Europa zu intensivieren. Sie seien Israels „beste Freunde“, würden gegen einen Multikulturalismus und eine ungebremste Einwanderung kämpfen, das Atom-Abkommen mit dem Iran ablehnen, den Umzug der Botschaften ihrer Länder nach Jerusalem befürworten, Holocaust-Museen bauen und überhaupt den Antisemitismus bekämpfen!

Was aber halten die Juden in Europa und ihre Gemeinden und Unterstützer zu diesen Tendenzen? „Lange Zeit“, so der Tagesspiegel, „wiesen die Interessen Israels und der Juden in der sogenannten Diaspora eine große Schnittmenge auf, ganz oben standen die Sicherheit der ‚jüdischen Heimstatt‘ und der Kampf gegen den Antisemitismus. Doch am Antisemitismus scheiden sich inzwischen die Geister. Pro-Israel und pro-jüdisch zu sein, ist nicht mehr deckungsgleich. Insbesondere Juden in Ländern mit starken rechtspopulistischen Parteien – Ungarn, Italien, Österreich, USA – warnen vor deren Aufwertung durch die israelische Regierung. Der Fokus werde zu stark auf mögliche Gefahren durch Einwanderung und „muslimischen Antisemitismus“ gelegt, vernachlässigt werde der traditionelle, „weiße“ Antisemitismus… Es gab mal eine Politik Israels, nicht mit Parteien zusammenzuarbeiten, die von den lokalen jüdischen Gemeinden abgelehnt werden. Netanjahu hat diese Politik beendet.“

Und: die Sympathie neofaschistischer und islamfeindlicher Partei in Europa für Israel könne „durchaus kognitive Dissonanzen verursachen.“
Sönke Hundt