Riad Othmann: Palästina – eine Politik der Verdrängung

Riad Othman arbeitet seit 2016 als Nahostreferent für medico international. Er war drei Jahre lang für die Nothilfekoordination bei medico zuständig und zuletzt medico-Büroleiter in Ramallah. Seine Ausführungen zur Situation der Palästinenser in Gaza, der Westbank, in Ost-Jerusalem und in Israel fesselten die Zuhörerinnen und Zuhörer. Der Referent zeichnete ein genaues und detailreiches Bild der Lebensbedingungen unter der Besatzung und ging vor allem auch auf den neuen „Friedensplan“ ein.

Das Besondere an dem Vortrag, der mit viel Beifall aufgenommen wurde, war aber auch der Ort der Veranstaltung, nämlich der Tivoli-Saal im DGB-Haus Bremen. Trotz so mancher Anfeindungen und Interventionen im Vorfeld hatte es sich Anette Düring, DGB-Chefin der Region Bremen-Elbe-Weser, nicht nehmen lassen, den Gast herzlich zu begrüßen und den Abend zu moderieren.

Man merkte dem Referenten, dass er gerade in seiner Einleitung sorgfältig die Worte wählte, wohl ganz in dem Bewusstsein, dass die israelische Regierung den Handlungsspielraum der in Palästina und Israel tätigen NGOs immer mehr einschränkt. Entsprechend zitierte er den Code of Conduct von medico international: humanitäre Hilfe würde geleistet „unabhäng von den besonderen politischen oder religiösen Überzeugungen der Empfänger“. Für medico ist Hilfe Teil eines umfassenden solidarischen und politischen Handelns. „Unser Bemühen, emanzipatorische Prozesse zu unterstützen, schließt dabei das Bewusstsein um die ambivalenten Folgen von Hilfe ein. Wir handeln nach der Maxime ‚Hilfe verteidigen, kritisieren und überwinden‘. Kernpunkt ist die partnerschaftliche Kooperation mit Akteurinnen und Akteuren in Afrika, Asien und Lateinamerika. Wir exportieren nicht Hilfsgüter oder Projekte, sondern fördern lokale Strukturen und Initiativen vor Ort. Unsere Partnerinnen und Partner sind keine Hilfsempfänger, sondern kompetente Akteure, die im Kampf für bessere Lebensbedingungen selbst Hilfe organisieren und sich für das Menschenrecht auf Gesundheit einsetzen.
Video: Sönke Hundt