„Kinder in israelischer Militärhaft“ – EAPPI-Ausstellung in Kapitel 8 eröffnet

Das Regime der israelischen Besatzungsmacht in der Westbank ist grausam und völkerrechtlich illegal. Kinder leiden unter den Verhaftungen, Vertreibungen, Hauszerstörungen und den Demütigungen ihrer Eltern besonders. Am 13. April 2015 wurde im „Kapitel 8“, dem Evangelischen Informationszentrum an der Domsheide, die Ausstellung „Kinder in israelischer Militärhaft“ eröffnet. Organisiert hat die Ausstellung das EAPPI-Netzwerk Deutschland. Hildegard Lenz (Bremen) und Dr. Andreas Grüneisen (Berlin) waren als „EAs“, das sind die „Ecumenical Accompaniers“, (Ökumenische Begleiter) in Israel/Palästina gewesen und berichteten eindrucksvoll mit vielen Fotos und Schautafeln über das, was die Besatzung mit Kindern anrichtet.

Dr. Grüneisen war so freundlich, uns seine Präsentation mit vielen Schaubildern und eindrucksvollen Fotos zur Verfügung zu stellen.

Die Präsentation von Dr. Grüneisen Teil 1 hier
Die Präsentation von Dr. Grüneisen Teil 2 hier

Hildegard Lenz

Andreas Grüneisen

Hans-Jürgen Jung

Uwe Ihssen

Das EAPPI (Ecumenical Accompaniment Program) hat in den letzten Jahren eine internationale Organisation aufgebaut mit der Aufgabe, die Realität der Besatzung in Palästina an den verschiedenen Brennpunkten vor Ort zu begleiten und mit Wort und Bild zu dokumentieren. Die Arbeit des EAPPI-Netzwerkes begann im Jahr 2002 und hat sich seitdem kontinuierlich ausgeweitet. „Freiwillige aus mittlerweile 25 teilnehmenden Ländern verbringen jeweils drei Monate in internationalen Teams in einem von sieben Einsatzorten. Seitdem Länder aus Lateinamerika und Südostasien ebenfalls TeilnehmerInnen nach Palästina und Israel schicken, hat das Begleitprogramm weltweit weiter an Bedeutung gewonnen. Derzeit hat jede Gruppe über rund 35 ‚Ecumenical Accompaniers‘, die sich durch ihren kulturellen und politischen Hintergrund ergänzen und bereichern.“ (aus: http://www.eappi-netzwerk.de/uber-eappi/eappi-international/) Das EAPPI-Programm ist eingerichtet worden vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) und wird zur Zeit unterstützt von Brot für die Welt, Evangelisches Missionswerk in Deutschland, Jerusalemverein im Berliner Missionswerk und Pax Christi.

Das EAPPI-Netzwerk war froh, dass die Evangelische Kirche in Bremen ihre Räume im „Kapitel 8“ für die Ausstellung zur Verfügung gestellt hat. Dass das für die Kirche in Bremen nicht selbstverständlich ist, machte Pastor Hans-Jürgen Jung als Hausherr von „Kapitel 8“ in seiner Begrüßungsrede bei der Eröffnung der Ausstellung deutlich. Er hätte sich Sorgen gemacht, dass die Ausstellung hoffentlich nicht zu einseitig wäre und Israel zu sehr kritisieren würde, schließlich müsse man beide Seiten, vor allem die Gewalt auf beiden Seiten in diesem Konflikt sehen. Außerdem würde der Titel der Ausstellung („Kinder in israelischer Militärhaft“) seiner Meinung nach zu sehr Emotionen schüren; es seien ja nicht nur Kinder sondern auch Jugendliche, die da verhaftet würden und die außerdem Steine auf die Soldaten geworfen hätten. Der Unmut über Jungs Äußerungen wurde vernehmlicher, als er das folgende Bild für den „Konfliktparteien“ bemühte: sie kämen ihm häufig vor wie Kinder, die sich im Sandkasten mit ihren Schaufeln schlügen, und man hinterher nicht mehr wisse, wer eigentlich angefangen hätte.

Als Hildegard Lenz dann im Anschluss von der Arbeit der Begleitteams und ihren Erlebnissen vor Ort in der Westbank und in Ost-Jerusalem berichtete, rückte sie diesen doch etwas kruden Vergleich zurecht. Nicht kleine Kinder würden im Sandkasten spielen und sich streiten, sondern eine hochgerüstete Militärmacht würde eine wehrlose Bevölkerung in den besetzten Gebieten unterdrücken und schikanieren.

Dr. Grüneisen bemühte sich in seinem Vortrag erfolgreich um äußerste Ruhe und äußerste Sachlichkeit, und war deswegen um so überzeugender, als er über das berichtete, was er während seiner Zeit als „EA“ erlebt und gesehen hätte. Die Zahl der verhafteten und inhaftierten Kinder und Jugendlichen, ihre weitgehende Rechtlosigkeit, die Trennung von den Eltern, die Bedingungen in den israelischen Gefängnissen – all das wäre schon wiederholt und international angeprangert worden. Die Arbeit von EAPPI könnte dazu beitragen, dass diese Fakten nicht vergessen werden.

Die Ausstellung ist geöffnet bis zum 6. Mai 2015.
Öffnungszeiten: Montag-Freitag 12.30 – 18.30 Uhr.
Begleitveranstaltungen:

  • 13.04.15, 18 – 20 Uhr: Ausstellungseröffnung mit Bericht über die Studienreise „Kommt und seht“ vom Oktober 2014
  • 17.04.15, 17 Uhr: Helga Merkelbach berichtet über ihre Erfahrungen als Menschenrechtsbeobachterin bei EAPPI
  • 21.04.15, 17 Uhr: Bericht von TeilnehmeriInnen der Studienreise der Bremischen Evangelischen Kirche  nach Palästina/Israel
  • 28.04.15, 17 Uhr: Hildegard Lenz berichtet über ihre Zeit als EAPPI-Freiwillige 2011 in Ost-Jerusalem und 2014 in Jayyous/Westbank
  • 05.05.15, 17 Uhr: Anette Klasing (Lidice-Haus) über „Schmerzhafte Annäherung: Begegnungsarbeit mit israelischen und palästinensischen Jugendlichen

Sönke Hundt

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