Überwältigender Empfang für Abdallah Frangi in Bremen

 

Es wurde ein bewegender Abend im voll besetzten Saal des Überseemuseums – mit vielen Umarmungen und viel Wiedersehensfreude. Viele – vor allem Palästinenser und Palästinenserinnen – kannten Abdallah Frangi offenbar aus seiner Tätigkeit in den 70er und 80er Jahren in Deutschland, wo er der Botschafter und das Gesicht Palästinas war für einen Staat, von dem viele gehofft hatten, dass er gemäß den Oslo-Verträgen nach 1993 endlich enstehen könnte.


Das mediale Interesse für den Vortrag von Abdallah Frangi war für eine Palästina-freundliche Veranstaltung erfreulicherweise sehr groß. Der Weser Kurier hatte die Veranstaltung schon einen Tag vorher angekündigt und Frangi am 6. März 2008 ein langes, von Hans-Ulrich Brandt geführtes, Interview mit dem Titel „Donald Trump ignoriert uns. Abdallah Frangi, Berater von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, über den Nahost-Friedensprozess und die Rolle der Europäer“ gewidmet.Das Bremer Regionalfernsehen „buten un binnen“ brachte schon um 18 Uhr einen Vorbericht und dann in der Hauptsendung um 19.30 Uhr einen sechs-minütigen Beitrag, in dem mehrere interessante Rückblenden auf frühere Interviews von Radio Bremen mit einem deutlich jüngeren Frangi gezeigt wurden. Sehenswert – in der Mediathek von Radio Bremen bis zum 06.03.2019!

Interviews wurden darüber hinaus von den relativ neuen „Palästina Nachrichten“ (in Grasberg) und und unserem „Nahost-Forum-Bremen“ gemacht. Es war außerdem ein Fotograf der Arbeiterfotogafie anwesend, dessen Fotos und Bericht in der „Neuen Rheinischen Zeitung (NRhZ) erscheinen werden.

Empfang im Rathaus

Abdallah Frangi wurde vom Bremer Bürgermeister Dr. Carsten Sieling zu einem einstündigen Gespräch empfangen, worüber sicher zu einem späteren Zeitpunkt in den regelmäßig erscheinenden Rathausnachrichten berichtet wird.

Die Veranstalter hatten für den Abend im Überseemuseum ein neues Verfahren gewählt, um möglichst viele Information aus „erster Hand“ zu erhalten. Frangi hielt zunächst ein 15-minütiges Impuls-Referat, so dass anschließend fast zwei Stunden Zeit blieben für Fragen aus dem Publikum.Gefragt wurde nach der Situation zur Zeit in Gaza und im Westjordanland, zum Stand der Auseinandersetzungen zwischen PLO, Fatah und Hamas, der Politik der Autonomiebehörde, auch zur Korruption, nach dem palästinensischen Widerstand und und und. Die Fragen gerade auch von Palästinsern waren teilweise sehr emotional, und sie wurden von Frangi auch so beantwortet. Er bot während des Abends an, noch einmal zu einem weiteren Termin nach Bremen zu einer Diskussionsveranstaltung, dann ausschließlich über Probleme der palästinensischen Politik und ausschließlich in arabischer Sprache, zu kommen.

Der anhaltende Schlussbeifall zeigte, daß die Veranstalter offensichtlich das richtige Verfahren gewählt hatten. Da Abdallah Frangi auf Honorar verzichtet hatte, kann eine Spende direkt an ein konkretes Hilfsprojekt in Gaza überbracht werden. Es sind an dem Abend mehrere hundert Euro gesammelt worden.

Keine Beeinträchtigungen

Es bleibt anzumerken, daß es vor und während der Veranstaltung zu keinerlei Störungen gekommen ist. Das war in vielen Städten in Deutschland ganz anders, wo gezielt von der Israel-Lobby versucht wurde – mal mit, mal ohne Erfolg -, solche Informationsabende zu verhindern.

Abdallah Frangi erläuterte in seinem Impuls-Referat die schwierige Situation des palästinensischen Volkes. Einerseits unterstütze zur Zeit die Mehrheit der Nationen, darunter alle Staaten Europas, die Notwendigkeit einer Zweistaatenlösung. Andererseits lebten inzwischen fast 500.000 israelische Siedler auf dem besetzten palästinensischem Territorium und 200.000 Juden im palästinensischem Ost-Jerusalem. Frangi beschrieb die Tragik, dass durch die Ermordung des israelischen Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin der ganze Osloer Friedensprozess gescheitert sei. „Arafat hat damals geweint“, berichtete er. Auf die Frage eines Besuchers der Veranstaltung, ob nicht ein jüdisch-palästinensischer Staat möglich sei, sagte Frangi entschieden, dass nur eine Zweistaaten-Lösung zu einem Frieden führen könne. Die Palästinenser könnten nur souverän mit Israel verhandeln, wenn sie einen eigenen Staat hätten. Wenn das erreicht wäre, könnte über alles weitere ernsthaft diskutiert werden.

Fotos und Texte: Hartmut Drewes (Bremer Friedensforum), Georg Maria Vormschlag (NRhZ und Arbeiterfotografie), Detlef Griesche (Deutsch-Palästinensische Gesellschaft) und Sönke Hundt (AK Nahost Bremen, weltnetz.tv)

 

 

2 Gedanken zu „Überwältigender Empfang für Abdallah Frangi in Bremen

  1. In Bremen kann man das Panorama der Israel-Lobby hierzulande, das Moshe Zuckermann in seinem Artikel „Deutsche Befindlichkeiten“ eindrucksvoll entwickelt hat, sehr gut beobachten. Es reicht von der Deutsch-israelischen Gesellschaft über die Kirchen und die jüdische Gemeinde, in die politische Klasse und bis in den Senat. Dieses Bündnis wird natürlich auch von der Bremer Presse in jeder Weise unterstützt. Wehe dem, der öffentlich Kritik am Verhalten des Staates Israel gegenüber den Palästinensern und ihren Rechten in Palästina zu üben wagt oder sogar etwas gegen die unerträgliche Situation in Palästina unternimmt, wie vor einigen Jahren mit einem Aufruf und einer Demonstration für einen Boykott israelischer Waren (wie einst bei der Apartheid!), der bekommt es mit der Antisemitismuskeule zu tun.
    Da die weltoffene und „freie Hansestadt Bremen“ sich nun vorgenommen hat, ihre Rolle im Kolonialismus im Rahmen eines umfangreichen Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramms aufzuarbeiten, gerät sie unerwartet in eine peinliche Situation. Denn sie will zwar den historischen Kolonialismus aufarbeiten, jedoch gleichzeitig die vielfältige, sehr einseitige – vor allem ideologische – Unterstützung des aktuellen,rde mir heutigen zionistischen Kolonialismus in Palästina ( z.B. bei Ausstellungen, Informationsveranstaltungen und Politikerbesuchen) unerwähnt lassen. Für eine Auseinandersetzung mit dem aktuellen Bremer Engagement für Israel „ohne Berücksichtigung eines historischen Bremen-Bezugs“ sei die Kulturbehörde „der falsche Ansprechpartner“ wurde mir von dort mitgeteilt.

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