Leichtfertige Treueschwüre: Israels Sicherheit als deutsche Staatsräson. Nach Merkel jetzt ähnlich Heiko Maas.

Nachdem, was Nazideutschland und wir Deutschen den Juden bei uns und in unseren Nachbarländern angetan haben, ist seit Beginn der Bundesrepublik Deutschland eine besondere Art Verantwortung gegenüber Israel formuliert worden. Der neue Bundesaußenminister Maas hat dies bei seinem Besuch in Israel deutlich formuliert. Seine Versicherungen gegenüber Israel wie auch schon die der Bundeskanzlerin im Jahre 2005 (Israels Sicherheit als deutsche Staatsräson) könnten, so verständlich sie sind, zugleich eine Art Freibrief für die jetzige israelische Regierung und damit gefährlich sein. Dann nämlich, wenn wie im konkreten Fall heute die Politik Israels von Personen gemacht wird, die die Zusicherungen als Ermunterung für Kriege, für „Faschismus“ und „Rassismus nahe am Nazismus“ interpretiert werden können. Albrecht Müller.
Die zuvor gebrauchten Begriffe kennzeichnen aus der Sicht des israelischen Historikers Zeev Sternhell die Geisteshaltung und Politik von israelischen Knesset-Abgeordneten der Regierungsparteien. Professor Sternhell hat diese harte Kritik an der Haltung der beiden einflussreichen Abgeordneten und Regierungsmitgliedern in einem Artikel für Le Monde vom 20. Februar 2018 vorgetragen. Wenn Sie diesen ins Deutsche übersetzten und als Anlage 1 unten wiedergegebenen Artikel lesen, dann werden Sie verstehen, dass diese Kritik keineswegs zu hart formuliert ist und dass auch die Sorge berechtigt ist, die Treueschwüre von Bundeskanzlerin und Bundesaußenminister könnten als Ermunterung für die menschenverachtende Politik der jetzigen israelischen Regierung benutzt werden.

Der Haltung und den Einlassungen des neuen deutschen Außenministers geht in mehrerer Hinsicht Vernunft und Weitsicht ab

Zunächst zitiere ich einige Äußerungen von Bundesaußenminister Maas, die er bei seinem Besuch in Israel laut Tagesschau getätigt hat:

“Die Erinnerung darf niemals enden. Deutschland trägt die Verantwortung für das grausamste Verbrechen der Menschheitsgeschichte…“ schrieb er am Sonntag nach seinem Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ins Gästebuch, so die Tagesschau vom 25. März.

“Wir stehen zu dem Land, dass hier allen gedenkt, deren Leben und Träume zerstört wurden.”

“Ich bin wegen Auschwitz in die Politik gegangen.” Damit begründete er sein Ziel einer Verbesserung der deutsch-israelischen Beziehungen.

“Die Verantwortung für und die Solidarität mit dem jüdischen und demokratischen Staat Israel, einzutreten für seine Sicherheit und gegen Antisemitismus – das steht im Zentrum unseres außenpolitischen Koordinatensystems”, sagte der SPD-Politiker bereits vor seiner Abreise. “Und es ist der Kompass, dem ich auf dem Weg in die Politik gefolgt bin.”

Soweit Außenminister Maas. Was er von sich berichtet, gilt für eine Reihe von Landsleuten. Es gilt für eine Reihe meiner Freunde. Auch ich könnte sagen, ich sei wegen Auschwitz und wegen der Verbrechen unserer politischen Führung und unseres Volkes politisiert worden. Das war jedenfalls ein bedeutsames Motiv für viele junge Menschen in den fünfziger und sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts, sich politisch zu engagieren.

Aber diese berechtigte Geisteshaltung und tief gehende Emotion dann auf alles weitere, also auch auf die weiteren Verbrechen Deutschlands zu übertragen einschließlich der jetzigen Regierung in Israel, ist falsch und gefährlich.

Es fängt schon bei der Einzigartigkeit des Verbrechens an. Es ist in der Tat einzigartig. Aber andere Verbrechen sind ähnlich einzigartig – so zum Beispiel die Tötung und Ermordung von über 20 Millionen Russen im Zweiten Weltkrieg. Und diese Verbrechen hatten übrigens eine ganz ähnliche Grundlage: Rassismus, Abwertung andersartiger Menschen und deshalb die Bereitschaft für Mord und Totschlag. Der Rassismus gegenüber Slawen wie Polen und Russen trug ähnliche Züge, nicht die gleichen, ähnliche, wie der Rassismus gegenüber den jüdischen Mitbürgern in Deutschland und in unseren Nachbarländern. […]

Der ganze Artikel von Albrecht Müller hier in den NachDenkSeiten vom 27.03.2018

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