Andreas Zumach in Bremen: „Der Konflikt Palästina-Israel im Kontext des Mittleren Ostens“

Andreas Zumach, der international renommierte Journalist aus der Schweiz, dessen Artikel und Beiträge in vielen Medien erscheinen, war am 20. April in Bremen zu einer Diskussionsveranstaltung in das Gemeindezentrum St. Pauli in Bremens Neustadt gekommen. Er referierte rhetorisch brilliant, völlig frei und trotzdem gut strukturiert – ohne Powerpoint und ohne einen Spickzettel – über das Thema des Abends: „Der Konflikt Palästina-Israel im Kontext des Mittleren Ostens“.

Der Referent blieb nicht an der Oberfläche der tagespolitischen Ereignisse in den schrecklichen Kriegen. Er verstand es, tief einzutauchen in die ökonomischen, politischen, historischen und schließlich auch religiösen Zusammenhänge in all ihrer Komplexität. Er war ausgesprochen gut „drin“ in seinem Thema, hatte er doch gerade die neue Auflage seines Buches („Globales Chaos – Ist die Weltorganisation überflüssig geworden?“) fertiggestellt.

Obwohl Israel und Palästina in der letzten Zeit und angesichts der Kriege in dieser Weltregion etwas in den weltpolitischen Windschatten geraten sind, gäben die innenpolitischen Entwicklungen in Israel, wo Benjamin Netanyahu selber immer mehr von rechts unter politischen Druck gerät, keinerlei Anlass zu Hoffnungen auf irgendwelche Verhandlungslösungen. Das Gegenteil wäre zur Zeit wahrscheinlicher. Dass nämlich Netanyahu und seine Ratgeber tatsächlich die Option verfolgen könnten, die Palästinenserinnen und Palästinenser in letzter Konsequenz aus der Westbank nach Jordanien zu vertreiben, um so den Traum von Groß-Israel wahr zu machen. „Die Tatsache“, so führte Zumach aus, „dass man über so was in Jerusalem oder in Tel Aviv, in Thinktanks etwa, schon redet und darüber diskutiert, allein diese Tatsache bleibt in Amman nicht ungehört. Davon erfährt man in Jordanien, und das wird Jordanien destabilisieren zusätzlich zu alldem, was dort ohnehin schon sehr belastend ist, nämlich über 700.000 syrische Flüchtlinge, die Jordanien aufgenommen hat plus die 580.000 palästinensischen Flüchtlinge, die zum Teil schon 1948 dorthin geflüchtet sind.“

Das Referat von Andreas Zumach und einige Ausschnitte aus der lebhaften Diskussion im Anschluss sind auf dem Video nachzuvollziehen. Es lohnt sich!

Eingeladen zu dieser Veranstaltung hatten die Deutsch-Palästinensische Gesellschaft Bremen e.V., das Bremer Informationszentrum für Menschenrechte und Entwicklung (Biz), der AK-Nahost Bremen, das Nahost-Forum Bremen, das Israelisches Komitee gegen Hauszerstörung (ICAHD) und das Bremer Friedensforum. Pastor Thomas Lieberum von der Vereinigten Evangelische Gemeinde Bremen-Neustadt begrüßte den Referenten und die etwa 70 Zuhörerinnen und Zuhörer, die in den schönen Saal des Gemeindezentrums St. Pauli in der Großen Krankenstraße gekommen waren.
Sönke Hundt

3 Gedanken zu „Andreas Zumach in Bremen: „Der Konflikt Palästina-Israel im Kontext des Mittleren Ostens“

  1. Es sollte die perfide Rolle Angela Merkels mehr unter die Lupe genommen werden. Alle ihre Aussagen für eine Zweistaatenlösung, für eine Fortsetzung des Friedensprozesses sind reine Maskeraden, da sie diese sofort relativiert wie z.B dass der Zeitpunkt noch nicht gekommen sei.
    Ihre Politik des konsequenten Hinausschiebens von Lösungen soll Israel die Möglichkeit geben, sein zionistisches Siedlungswerk, verbunden mit der Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung fortzusetzen. Es geht letzlich darum, der Weltmachtpolitik der USA einen geographisch gut abgerundeten Brückenkopf im Nahen Osten zu sichern. Und Merkels Aufgabe im Sinne der transatlantischen Partnerschaft ist, dem Erreichen dieses Ziels volle Unterstützung zu geben.

    • Das ständige Gerede über die „Zweistaatenlösung“ ist ja das Mittel zum Zweck, welcher ist, die arabischen Palestinenser hinzuhalten, und so zu tun, als ob man eine „Lösung“ anstreben würde. Man sollte aufhören, von einer „Lösung“ zu reden, als ob es da eine „Endlösung“ geben könnte.

      Erforderlich ist die Konzentration auf einfache klare Forderungen:
      • Sofortiger und bedingungsloser Abzug allen israelischen Militärs und sonstigen „Sicherheits“personals aus den besetzten Gebieten;
      • vollständige Aufhebung der Blockade des Gazastreifens, einschließlich der Verlängerung der Seeblockade auf die libanesische Küste durch die deutsche Kriegsmarine;
      • Entwaffung der israelischen Siedlerpopulation in den 1967 eroberten Gebieten und Schleifen eventuell vorhandener Befestigungen der Zwingburgen zur Umvolkung („Siedlungen“);

      und an die deutsche Bundesregierung:
      • Keine Waffen mehr an Israel, keine Militärhilfe, keine „Sicherheits“zusammenarbeit;
      konkret heißt das:
      •• kein sechstes U-Boot für Israel
      •• keine sonstigen Kriegsschiffe für Israel – Baustopp für die in Kiel auf Kiel liegenden Korvetten für die israelische Unterdrückungsarmee.

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