Nun auch noch die Jüdische Gemeinde: Vorwurf des Antisemitismus gegen Volker Keller

Wie der Evangelische Pressedienst (epd) am 9. Mai 2016 meldete, hat sich jetzt auch noch die Jüdische Gemeinde in Bremen zu Wort gemeldet und die Vorwürfe aus der Jerusalem Post v. 25. April 2016 (Überschrift: „German Pastor declares himself an anti-Semite“) gegen den Pastor
der Gemeinde Bremen-Vegesack, Volker Keller wiederholt. „Bestürzt und erschreckt“ sei man, „dass Pastor Keller sich in unseren Augen hämisch und verunglimpfend, somit den Antisemitismus verharmlosend verhalten“ habe. Schwerer noch wiege, „dass er als Dialogbeauftragter sein Amt missbraucht und unwürdig in seiner Funktion gehandelt“ habe. Bremens leitender Theologe Renke Brahms sagte dazu dem epd, die Bremische Kirche sei dabei, „das Gespräch mit der Jüdischen Gemeinde zu suchen“. Und wie die Taz heute ergänzte, wurde inzwischen auch der Bürgermeister in der Angelegenheit bemüht, der die Gesprächsbereitschaft seinerseits sehr begrüßte.

Was war eigentlich passiert und der Grund für die ganze – sogar internationale – Aufregung? Pastor Keller hatte den Bremer Publizisten Arn Strohmeyer zu einer Lesung aus seinem Buch über „Antisemitismus – Philosemitismus und der Palästina-Konflikt“ in seine Gemeinde in Bremen-Vegesack eingeladen. Diesem war im Vorfeld vom Korrespondenten der Jerusalem Post, Benjamin Weinthal, Antisemitismus vorgeworfen worden, was dazu geführt hatte, dass eine erste Lesung in den Weserterrassen etwas vorschnell abgesagt wurde. Inzwischen hat der Vorstand der Weserterrassen reagiert, per Pressemitteilung erklärt, dass er bei der Lektüre des Buches keinen Antisemitismus habe entdecken können und der Veranstaltung mit Strohmeyer grünes Licht gegeben. Dieses Übermaß an Antisemitismus-Vorwürfen veranlasste wiederum Volker Keller zu einer – für alle erkennbar – ironisch gemeinten mail an Benjamin Weinthal, die er mit „Volker Keller, Antisemit“ unterzeichnete. Wir berichteten darüber ausführlich hier und hier.

Die Jüdische Gemeinde wäre gut beraten, doch bitte etwas vorsichtiger mit haltlosen Antisemitismus-Vorwürfen umzugehen, weil eins nicht vergessen und verharmlost werden darf: „An der Beschuldigung, ein Antisemit zu sein, klebt das Blut von Auschwitz. Aus diesem Grund impliziert die Beschuldigung, ein Mensch sei Antisemit, dass der so bezeichnete in die Kategorie potentieller Mörder gehört.“ Das schrieb Hajo G. Meyer, der das KZ Auschwitz überlebte, in seinem kleinen und immer noch sehr lesenswerten Buch (S. 28) über „Judentum, Zionismus, Antizionismus und Antisemitismus“.
Sönke Hundt

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